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Die Geschichte

Carl Friedrich Uhlig erfand 1834 die Deutsche Konzertina. Diese hatte eine viereckige Form, auf jeder Seite fünf Knöpfe und war wechseltönig (Wolf Linde, Das große Buch der Handzuginstrumente, Hohner Verlag, ISBN 3-920-46821-6). Wie bei allen Konzertinas hat sie links und rechts nur einzelne Töne und keine Akkord- oder Bass-Mechanik. Wie das Bandoneon, dessen Vorgänger die Deutsche Konzertina ist, oder die steirischen Harmonika, ist auch sie wechseltönig, d.h. man spielt auf einem Knopf bei Zug andere Töne als auf Druck. Kurze Zeit später baute er das Instrument sechseckig mit 10 Knöpfen an jeder Seite, wechseltönig und einchörig (Wolf Linde, s.o.).

Sir Charles Wheatstone ist der Entwickler der Englischen Konzertina, welche er 1844 zum Patent anmeldete. Diese war chromatisch, d.h. man konnte alle Halbtöne darauf spielen, so daß sie auch für klassische Musik geeignet war. Die Englische Konzertina ist einchörig und nicht wechseltönig, d.h. man hat pro Knopf nur einen Ton, der auf Druck und Zug gleich ist. Da sie aber im Spiel relativ leise war, erreichte sie in Orchestern niemals die Verbreitung, wie es andere Instrumente taten. Die prägnante sechseckige Form der Englischen Concertina wurde später auch für die 20-knöpfige Deutsche Konzertina (s.o.) und die anglo concertina übernommen, während die Englische Concertina teilweise in noch größerer Form gebaut wurde, mit acht oder sogar noch mehr Ecken bis hin zu einer fast schon runden Form.

Die german anglo concertina (Deutsch-Englische Konzertina oder heute nur anglo) wurde 1850 von George Jones entwickelt. Er verband die Deutsche mit der Englischen Konzertina zu einer Deutsch-Englischen Konzertina. Zusätzlich erweiterte er das Instrument um eine Reihe weiterer Knöpfe, auf welchen hauptsächlich weitere Halbtöne, aber auch Grundtöne liegen, welche das Spiel erleichtern. Dies ermöglichte im Gegensatz zu der Deutschen Konzertina ein chromatisches Spielen in allen Tonarten, wenn auch durch die Wechseltönigkeit dem Greifen von Akkorden gewisse Grenzen gesetzt sind. Da manche Töne nur auf Zug und manche nur auf Druck vorhanden sind, ist es nicht immer möglich alle Ton-Kombinationen zu spielen, wie z.B. auf Akkordeons mit Piano-Tastatur..

Im späten neunzehnten Jahrhundert und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte die Konzertina einen großen Aufschwung. Sie war klein, leicht, verhältnismäßig preiswert und konnte überall mit hingenommen werden. Sie wurde von herumreisenden Musikern, von Seeleuten und sogar von der Heilsarmee gespielt. Die größte Verbreitung aber fand das Instrument in der Volksmusik.

Gerade in letzter Zeit erlebt die Deutsch-Englische Konzertina ein Revival in der Folk-Szene, insbesondere im Bereich des Irish Folk, in welchem auch sonst gerne diatonische Knopfakkordeons gespielt werden. Zur Zeit werden Konzertinas mit 20 oder mit 30 Knöpfen, also mit den Halbtönen, gebaut. Seltener sind auch Instrumente mit bis zu 40 Knöpfen oder spezielle Anfertigungen anzutreffen. Die Deutsch-Englische Konzertina wird im englischen Sprachraum auch "anglo concertina" oder einfach nur "anglo" genannt, was sich auch in Deutschland eingebürgert hat - zumindest in der entsprechenden Szene. Wenn man also im WWW unterwegs ist, wird einem dieser Name oft begegnen.

Wen die genaue Geschichte dieser Instrumentenart näher interessiert, dem empfehle ich u.a. die Seite An Annotated Catalogue of Historic European Free-Reed Instruments from my Private Collection, von Stephen Chambers.