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Was ist das?

Die Deutsche Konzertina oder die Anglo Concertina (deutsch-englische Konzertina) sind sicherlich nicht gerade die bekanntesten Instrumente. Ich selbst besitze im Moment eine 20-knöpfige sogenannte Deutsche Konzertina und eine 30-knöpfige Anglo, und ich muß zugeben: Ich habe mich ein wenig in sie verliebt. Es ist das erste mal, daß ich wirklich das Gefühl habe: Das ist mein Instrument. Und es ist wirklich ein sehr vielseitiges Instrument, deswegen kann mich auch nichts davon abhalten, meinen Enthusiasmus weiterzugeben. Ich habe aus diesem Grunde alle möglichen Informationen - hauptsächlich aus dem Web - zusammengetragen und hoffe, daß ich etwas Licht in´s Dunkel bringen kann.

Oft, wenn ich bei Bekannten war, wurde ich gefragt, was das eigentlich für ein Ding sei. Im Prinzip kann man sagen: Eine Art kleine Zieharmonika. Die Deutsche Konzertina und die Anglo Concertina sind wechseltönig; das heißt, daß ich auf einem Knopf beim Ziehen andere Töne erhalte, als beim Zusammendrücken des Balges. Das ist z.B. bei den steirischen Harmonikas genauso, oder auch bei den Mundharmonikas - dort natürlich beim Blasen in eine Öffnung.

Die Konzertina hat auf jeder Seite mehrere Reihen von Knöpfen, die Deutsche Konzertina zwei, die Anglo Concertina (deutsch-englische Konzertina) drei oder sogar mehr, aber das ist selten. Wenn man die Konzertina so in die Hand nimmt, daß man mit dem Daumen der rechten Hand den etwas herausgesetzten Luftknopf betätigen kann (der einzige Knopf, der keine Töne macht), kann man sagen, daß die tiefsten Töne jeweils in der linken Hand unten liegen, und die höchsten auf der anderen Seite - rechts unten.

Die Töne in der Konzertina entstehen durch kleine Stimmzungen. Diese sind über Schlitze auf sogenannte Stimmplatten genietet oder geschraubt, so, daß sie, vorrausgesetzt sie bekommen Luft aus dem Balg, in diese Öffnungen hinein und heraus schwingen. Der Schlitz wird dabei ständig geöffnet und geschlossen, und diesen Druckwechsel der durchfließenden Luft nehmen wir als Ton wahr. Es ist klar: Wenn ich mehr Druck mit dem Balg mache, wird es lauter. Nun ist es so, daß mit jedem Knopf eine Klappe geöffnet wird, welche je zwei Stimmzungen mit Luft versorgen kann. Und zwar bekommt eine Stimmzunge die Luft beim Drücken, und die andere beim Ziehen - von der anderen Seite. Damit nicht beide gleichzeitig erklingen, wird der Luftstrom durch Ventile gesteuert, welche die Luft jeweils in einer Richtung zurückhalten. Die Ventile sind über den Schlitzen liegende Kunststoffolien oder Lederstreifen, die am Ende an der Stimmplatte verklebt sind.

Diese Konzertina funktioniert, wie schon gesagt, ähnlich wie eine Mundharmonika. Je nach Stimmung kann man auf der ersten Reihe in G-Dur spielen (G-Reihe), auf der jeweils zweiten in C-Dur (C-Reihe). Natürlich gibt es auch Instrumente in anderen Stimmungen, als in C/G, sie sind allerdings seltener. Die dritte Reihe (X-Reihe), welche es nur bei der Anglo Concertina gibt, enthält die ganzen Halbtöne und hat auch noch einige Knöpfe, auf welchen schon vorhandene Töne noch einmal anders liegen, als in den beiden Hauptreihen, um das Spiel zu erleichtern. Wenn man also diese dritte Reihe hat, kann man im Prinzip jedes Musikstück, welches sich eignet, auch spielen, da man alle zwölf Halbtöne der chromatischen Tonleiter hat (diatonisch = weiße Tasten vom Klavier, chromatisch = weiße und schwarze Tasten). Hat man nur die ersten beiden Reihen, wie es bei der Deutschen Konzertina ist, so ist man etwas eingeschränkter. Was aber nicht heißt, daß man damit nicht die tollsten Lieder spielen könnte.

In meinen Zeichnungen sind die Töne beim Drücken jeweils immer links und die Töne beim Ziehen jeweils immer rechts auf dem Knopf dargestellt. Desweiteren verwende ich das internationale System der Tonbezeichnungen: A-B-C-D-E-F-G und nicht A-H-C-D-E-F-G. Spielt man öfter Stücke aus dem internationalen Bereich (Tangos, Irish Folk, Jazz), ist es vorteilhafter sich gleich an diese Notenbezeichnungen zu gewöhnen.

Die Diagramme zeigen die Knöpfe eine Anglo Concertina. Hat man eine Deutsche Konzertina, so läßt man einfach die oberste Reihe weg. Hier ist ein Knopf-Layout, welches auch als Wheatstone-System bekannt ist. Es ist insbesondere bei Instrumenten im unteren Preissektor verbreitet. Ich werde mich bei meinen Beispielen und Übungen an dieses Layout halten.

Ein vor allem in den Halbtönen der rechten Hand abweichendes Layout haben die Instrumente von Jeffries, und deren Nachbauten. Besonders im Bereich des Irish Folk scheint dieses System recht weit verbreitet zu sein. Bei meinen Ausführungen halte ich mich jedoch an das "Wheatstone-System".

Hier noch die 40 Töne / 20 Knöpfe der Deutschen Konzertina:

Wie andere Handharmonikas auch, ist die Deutsche Konzertina so gestimmt, daß man in einer Reihe jeweils die Töne einer Dur-Tonleiter hat - sie ist diatonisch gestimmt. D.h. wenn man eine Tonleiter spielt muß man im Prinzip links unten anfangen den Balg abwechselnd zu öffnen und zu schließen, und dabei  alle zwei Töne jeweils einen Knopf höher wandern. Ist man in einer Reihe oben angekommen, zieht man noch einmal, und macht dann auf der rechten Seite genau umgekehrt weiter. Jedenfalls im Prinzip...

PS: Die tollen Fotos oben hat mir übrigens Bob Tedow von Homewood zur Verfügung gestellt.