Begleitung

Das einstimmige Spiel auf der Konzertina ist relativ leicht gelernt. Im Prinzip ist ja für jede Note mindestens ein Knopf vorhanden, und durch die Balgbewegung kann man, ohne viel mit den Fingern machen zu müssen, schon eine ganze Menge spielen. Schwieriger wird es schon, wenn man sein Spiel zusätzlich mit einzelnen Tönen, oder sogar Bass/Akkord-Wechseln begleiten möchte. Dadurch, daß ich bestimmte Töne der Melodie nur in einer bestimmten Balgrichtung spielen kann, muß ich beim Greifen der Begleitung auch auf die Richtung achten. Das kann ganz schön verwirren.

Diese Art der Begleitung mit einem Wechsel zwischen Bässen und Akkorden nutzt in besonderer Weise die Aufteilung der Töne auf der Konzertina. Dadurch, daß die tieferen Töne der Konzertina links sind, kann man auf dieser Seite viele Stücke gut mit Bass und Harmonien begleiten. Diese Spielweise hat etwas Ähnlichkeit mit der Spielweise eines Akkordeons, auf welchem man auch rechts (Diskantseite) die Melodie spielt, und links (Basseite) die Harmonien, also die Bässe und Akkorde spielt. Wenn man schon vorher einmal Akkordeon gespielt hat, wird man wahrscheinlich ganz von alleine zunächst diesen Begleit-Stil wählen. Schwierig wird es, wenn sich Melodie und Begleitung in der Mitte treffen. Man muß dann manchmal die Melodie auch links spielen und die Begleitung auch mal rechts. Das ist gar nicht so einfach. Viele Shanties und Lieder aus der Seefahrt kann man gut so begleiten. Trotz dieses Images war die Konzertina allerdings nie ein Instrument, welches in der Seefahrt groß vertreten war. Es wurde dort öfter das Melodeon gespielt, welches billiger, voller im Klang und härter im Nehmen war.

Ein anderer Begleit-Stil bildete sich im Französisch-Kanadischen Bereich heraus. Dort wird die Konzertina mit einem Mix aus Akkorden und Melodie gespielt. Das kann sehr schön klingen - man hat keine klare Trennung zwischen Melodie und Akkorden mehr, wodurch man das so viel gefürchtete "Um-Ta-Ta" vermeidet. Seltener wird dies auch im Bereich des Irish Folk gemacht.

Die irische Volksmusik ist ja in der Technik und Spielweise stark geprägt von Instrumenten wie irischer Dudelsack oder (Tin-)Wistle, welche beide ja nur einstimmig spielen können. Sie zieht ihre Eleganz daher eher aus dem Spielverlauf und der Tonabfolge, als aus dem Greifen ganzer Akkorde. Trotzdem kommt es auch hier vor, daß in die Melodie, wenn es gerade passt, mal einige Akkord-Häppchen oder auch nur einzelne harmonierende Töne eingeworfen werden.

Das mehrstimmige Spiel erfordert recht viel Konzentration, jedenfalls am Anfang. Vielleicht passiert es Euch ja so wie mir: Eines Tages meinte meine Frau, mein Spiel wäre ja recht schön - aber warum ich Sie denn immer so anstarren würde?