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Darf ich mich vorstellen?


Hallo! Das bin ich - und natürlich meine Konzertina. Bevor ich richtig loslege, will ich noch kurz erzählen, wie meine musikalische Laufbahn war.

Als Kind habe ich meine Eltern mit sogenannten Klangstäben malträtiert. Das war im Rahmen einer musikalischen Früherziehung. Ich habe nur noch vage Erinnerungen daran. Später, als ich ca. 10 Jahre alt war, habe ich Melodika erlernt. Als es dann schließlich ganz gut klappte, wurde mir gesagt, das wäre ja kein richtiges Instrument, und ich müßte jetzt Akkordeon oder Orgel lernen. Daraufhin hatte ich einmal die Woche Heimorgelunterricht - ein Wissen, von dem ich noch heute zehre. Leider verstarb mein Orgellehrer sehr früh, woraufhin ich erstmal garnichts mehr gespielt habe.

Als ich etwas älter war, habe ich sehr viele Instrumente ausprobiert. Unter anderem Gitarre, Mandoline, Blockflöte, Tinwistle, E-Gitarre und sicher noch einige andere. Ich habe mich etwas mir MIDI-Instrumenten beschäftigt, fand aber, das das Spielen darauf nicht solchen Spaß macht. Es war eher experimenteller Natur - mit verschiedenen Klängen und so. Rumgeklimper halt.

Eines schönen Tages war ich in Hamburg in einem Irish Pub. Dort spielte eine Band (ich glaube namens "Irish Coffee". Das war ein Gitarrist und ein Spieler eines dreireihigen diatonischen Knopfakkordeons. Zusammen haben die den ganzen Saal zum Kochen gebracht. Ich weiß bis heute nicht, wie man auf einer Gitarre so viele verschiedene Geräusche und Töne und so einen Rhythmus machen kann. Und auch der Akkordeon-Spieler war wirklich genial. Ich konnte nicht verfolgen wie schnell der seine Finger bewegt hat. Zwei Instrumente und zwei Stimmen: Der Abend war super.

Von diesem Event und von der irischen Musik war ich tief beeindruckt. Leider zogen wir dann nach München, wo ich die Szene erst einmal auskundschaften mußte. In München angekommen, schlenderte ich mit meiner Frau Petra eines Tages durch die Innenstadt, und sah dort einen jungen Mann (ich nehme an aus Rußland oder Tschechien - wir konnten uns nicht verständigen) welcher chromatisches Knopfakkordeon spielte. Und zwar klassische Musik (Vivaldis vier Jahreszeiten etc.). Auch davon war ich tief beeindruckt, und beschloß: Das muß ich auch lernen.

Ich bemühte mich also, und fand nach kurzer Zeit eine Lehrerin, hier in Unterhaching an der Musikschule. Dort nahm ich zwei Jahre Unterricht. Aber obwohl ich sehr motiviert war, habe ich es nie geschafft, dieses chromatische B-Griff-Knopfakkordeon zu verinnerlichen. Ich habe ein Lied gelernt, und nach zwei Wochen wieder vergessen. Und das war sicher nicht Schuld meiner Lehrerin. Vielleicht war ich mit 30 Jahren schon zu alt?

Eigentlich nur aus Spaß und Neugierde kaufte ich für 160 DM eine 20 Jahre alte 20-knöpfige Hohner-Konzertina, eine sogenannte "Deutsche Konzertina". Ich schaute mir an, wie das alles so funktioniert mit den Knöpfen und dem "Hin und Her" der Wechseltönigkeit, und stellte fest, daß ich darauf irgendwie total gut spielen konnte. Dinge, die ich mir anschaute, hatte ich in kürzester Zeit drin und ebenso die Lieder. Tja. Und dann habe ich, obwohl es mir wirklich schwer fiel, das Knopfakkordeon an den Nagel gehängt und spiele jetzt nur noch Deutsche Konzertina. Ich muß allerdings sagen, daß ich in meinem Akkordeon-Unterricht schon extrem viel gelernt habe, was ich jetzt gut gebrauchen kann, z.B. das Notenlesen und viele andere wichtige Dinge, wie verschiedene Rhythmen und Musikarten etc.

So ist es also mir ergangen. Und ich kann nur sagen: Jede Minute Musikunterricht, die ich in meinem Leben bekommen habe, war es wert. Wenn Kinder kein Instrument spielen wollen, ist das in Ordnung. Es gibt ja noch andere Dinge im Leben. Aber ich denke, jedes Kind sollte mal die Chance bekommen haben ein Instrument zu erlernen. Es gibt nichts besseres für die Seele, und es macht solchen Spaß mit anderen zusammenzuspielen...