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Ein Knopf - zwei Töne

Wie Du vielleicht festgestellt haben wirst, kann jeder Knopf Deines Instrumentes zwei Töne machen. Warum ist das so, und wofür ist das gut?

Im Prinzip kann man sagen: Wenn man pro Knopf zwei Töne hat - einen Ton auf Ziehen, einen auf Drücken, dann kann man mit nur halb soviel Knöpfen auskommen, als wenn man pro Knopf einen Ton hat. Dies macht sich vor allem beim Spiel positiv bemerkbar. Ich kann nämlich die Finger bei vielen Melodie-Stücken einfach ruhen lassen, und nur durch Öffnen und Schließen des Balges die Töne wechseln. Ich muß also meine Finger nicht so oft bewegen.

Schauen wir uns doch einmal unser Instrument an. Nehmen wir die linke Seite. Dort habe ich zwei Reihen mit je fünf Knöpfen. Wenn ich meine Finger auf eine beliebige Reihe lege, so, daß mein Zeigefinger immer ganz oben ist, dann fehlt mir nur ein Finger für den untersten Knopf. Ich kann also eine ganze Reihe spielen, ohne meine Hand auch nur bewegen zu müssen - nur mit dem kleinen Finger muß ich manchmal unten hin und her tasten. (Du wirst Dich noch wundern, wie mobil der kleine sein kann.) Das gleiche gilt für rechts. Ich habe auch wieder den Zeigefinger ganz oben, und muß nur mit dem kleinen Finger mal etwas hin und herspringen. Zum Glück ist es so, daß sich beim Spiel die Melodie selten auf den untersten oder obersten Knöpfen bewegt. D.h. zwar nicht, daß wir diese vergessen können, aber wir haben auch keinen Streß damit.

Natürlich gibt es noch eine zweite Reihe, und wenn Du eine 30-knöpfige Konzertina hast sogar noch eine dritte Reihe. Du mußt also Deine Finger nicht hoch und runter bewegen, aber hin und wieder von einer Reihe zur andern.

Gesetz Nr. 3

Achte darauf, daß Deine Finger immer mit dem Zeigefinger ganz oben auf den Knöpfen liegen. Dies gilt für jede Reihe. Auch wenn Du einige Finger von einer Reihe in eine andere bewegst, so sollten diese - natürlich wenn das möglich ist - immer auf ihre angestammten Plätze in dieser Reihe kommen.

Dies ist wichtig und hat einen ganz großen Vorteil: Du weißt so viel schneller, welcher Finger für welchen Ton zuständig ist. Du bekommst ein Gefühl dafür. Du solltest das beachten, auch wenn es Dir ein wenig umständlich vorkommt.

Ist das nicht prima? Wir haben ein Instrument, auf welchem wir unsere Hände kaum bewegen müssen. Und dies ist - so glaube ich - auch das Geheimnis, warum oft zu hören ist, daß die Konzertina so schnell zu erlernen ist. Ich weiß halt immer, wo ich bin. Ich bekomme ruck-zuck ein Gefühl für das Instrument.  Ich muß nicht, wie beim Klavier oder wie auf dem Hals der Guitarre, ständig hin und herspringen, sondern ich habe meine Finger einfach liegen. Hätte ich auf jedem Knopf nur einen Ton - mein Gott: So viele Finger hat ja kein Mensch!

Hat das ganze denn auch Nachteile? Najaaaaaa... schon... Es ist nämlich so, daß ich natürlich für manche Töne auch gezwungen bin, den Balg in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Dies kann vor allem bei schnellen Tonfolgen hinderlich sein. Andererseits bekommt man durch diesen Balgwechsel auch einen ganz spezifischen Charakter des Spiels, welcher so mit einem gleichtönigen Akkordeon z.B. nicht zu erzielen ist.

Eine andere Schwierigkeit soll auch nicht verschwiegen werden: Man kann, da einige Töne nur auf Druck, andere nur auf Zug vorhanden sind, nicht beliebig Töne zu Akkorden kombinieren. D.h. man muß sich ggf. etwas ausdenken, um diese Klippe zu umschiffen. Im Bereich des Irish Folk wird die Konzertina größtenteils als Melodieinstrument gespielt. D.h. Akkorde kommen so kaum vor, oder es werden immer mal nur einzelne Töne eingestreut, die dem Spiel etwas Pfeffer geben. (Aber seien wir doch froh: Andere Instrumente können nicht mal mehrere Töne spielen, sondern nur Melodie!)