Auf der Reeperbahn
#1
Salü,

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins -- das kennt wohl jeder. Mir ist gestern aufgefallen, dass sich das auf ner Deutschen Konzertina problemlos und ohne Tricks und Vereinfachungen spielen lässt. Das Stück ist komponiert und getextet von Ralph Arthur Roberts, der seit über 70 Jahren südlich von Berlin in Stahnsdorf ruht. Da damit auch das Urheberrecht erloschen ist, stell ich mal hier die (selbst erstellten) Noten ein.

Viel Spaß!


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#2
Oh, das Forum ist wieder da! Heart

Hier mal'n Video von der Reeperbahn mit der 'Tina: https://youtu.be/Z7B7pD9kbr8
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#3
Sehr überzeugendes Video. Sehenswert bzw. hörenswert sind auch die anderen Stücke wie z.B. "Das war in Schöneberg...", "Puppchen, du bist mein Augenstern" oder "Das gibt's nur einmal". Sehr geschickt arrangiert, auch wenn manchmal die Melodie etwas verändert werden musste. Hätte gar nicht gedacht, dass man auch aus der 20-knöpfigen so viel rausholen kann.
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#4
Danke für die Blumen. Ich fand, auf Youtube gebe es zu wenig Beispiele für die Möglichkeiten der zweireihigen Konzertina. Und auch immer nur billige, einchörige Instrumente. Einzig in ein paar Boeremusikvideos figurieren zweireihige und mehrchörige Konzertinen, aber die findet man nicht auf Anhieb.

Es wäre gut, wenn es auch von anderen Spielern ein paar Videos gäbe, die aufzeigten, dass man auch mit einer zweireihigen Konzertina richtig ordentliche Musik machen kann.

So geschickt ist das Arrangement eigentlich gar nicht. Die Melodie musste ich nur beim Puppchen etwas anpassen, um bessere Akkorde drunterlegen zu können; alle anderen Stücke haben die Originalmelodien. Das Akkordspiel ist mehr oder weniger so, wie es in der Hoeselbart-Anweisung auch drin steht: volle Akkorde mit Wechselbässen, wo möglich.

Auf der Konzertinanetzseite schreibt Klaus Wenger übrigens:

Zitat:Eine Konzertina ist kein Akkordeon. Wer auf einer Seite Melodie spielen will und auf der anderen eine Akkordbegleitung, der soll gleich zum Akkordeon wechseln. Das ist genau dafür gebaut.

Meiner Meinung nach ist auch die deutsche Konzertina genau dafür gebaut. Erstens zeigen das die Arrangements in der Hoeselbarth-Anweisung ganz eindeutig, und zweitens klappt das auch praktisch auf der Konzertina hervorragend, wie die Videobeispiele ja zeigen. Vielleicht habe ich Klaus Wenger hier auch missverstanden.

Meine These ist vielmehr: Die (einreihige) Konzertina ist aus dem (einreihigen) Akkordion entwickelt worden, eben um gerade Akkorde spielen zu können. Das einreihige Akkordeon hat an Akkorden in der linken Hand ja nur I und V (und manchmal noch IV). Für die Diskantseite stehen nur vier Finger - also nur vier Töne gleichzeitig - zur Verfügung. Indem die linke Seite des Akkordions weggelassen und die Knöpfe der Diskantseite auf zwei Hände verteilt werden, können nun acht Finger - also acht Töne gleichzeitig und innerhalb eines viel größeren Ambitus - gespielt werden, darunter weiterhin I und V (und IV), aber zusätzlich auch noch alle anderen leitereigenen Dreiklänge, auch wenn einige davon nur als Zweiklänge angedeutet werden können. Durch die Erweiterung auf zwei Reihen fällt sogar diese letzte Einschränkung noch weg.

Dass die Konzertina so gespielt wurde - links Bass- und Akkordspiel, rechts Melodie plus evtl. Terz- und Sextbegleitung - zeigt ja auch die durchgehende Spieltradition für die späteren großen Konzertinen (Karlsfelder, Chemnitzer, Bandonion). (Dem widerspricht nicht, dass in Einzelfällen Akkordtöne auch mal rechts und Melodietöne auch mal links mitgegriffen werden; denn das kommt auch beim diatonischen Akkordeon bisweilen vor.)
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#5
(28.12.2015, 22:33)Sebastian schrieb: Auf der Konzertinanetzseite schreibt Klaus Wenger übrigens:

Zitat:Eine Konzertina ist kein Akkordeon. Wer auf einer Seite Melodie spielen will und auf der anderen eine Akkordbegleitung, der soll gleich zum Akkordeon wechseln. Das ist genau dafür gebaut.

Meiner Meinung nach ist auch die deutsche Konzertina genau dafür gebaut. Erstens zeigen das die Arrangements in der Hoeselbarth-Anweisung ganz eindeutig, und zweitens klappt das auch praktisch auf der Konzertina hervorragend, wie die Videobeispiele ja zeigen. Vielleicht habe ich Klaus Wenger hier auch missverstanden.

Hallo Sebastian,

meine Bemerkung (im Original mit ;-) am Ende) beruht auf meiner Erfahrung mit Gästen auf den Konzertinatreffen. Viele haben Akkordeonmusik ( Links Baß-Nachschlag, rechts Melodie) im Ohr und wollen genau das auf der Konzertina spielen, weil die so schön klein ist. Ist ja auch OK, geht (siehe die Schule von Volker Bäcker). Meine Überlegung ist dann aber: Warum dann nicht gleich ein kleines (diatonisches) Akkordeon? Da muss man sich um die linke Hand viel weniger Gedanken machen und kommt eher auf einen grünen Zweig. Das war ja auch der Grund, warum die Akkordeons die Konzertinas in kürzester Zeit vom Markt gefegt haben. Wer mit wenig musikalischer Vorerfahrung anfängt, findet zum Akkordeon wesentlich mehr Schulen, Noten, Lehrer... Und nebenbei bemerkt: Mancher Gast kommt dann ein paar Jahre später mit Akkordeon.

Bei Hoeselbarth sehe ich was anderes: Da ist nur in Ausnahmefällen links Baß/Nachschlag zu finden. Meistens ist jede Melodienote ziemlich fett mit Begleittönen versehen, aber die Hände sind rhythmisch nicht entkoppelt, wie bei der Akkordeon-Spielweise. Die Hoeselbarth-Noten erinnern mich eher an einen vierstimmigen Chorsatz. Die Konzertina als Harmoniemaschine! (Ich habe diese Spielweise z.B. bei der Tabulatur Bellman Epistel 81 verwendet).

Mein Zitat endet so: "der soll gleich zum Akkordeon wechseln. Das ist genau dafür gebaut. Aber wer will das schon? ;-)". Damit meine ich: Auf dem Akkordeon kann man nur diese quasi eingebaute Spielweise spielen. Auf der Konzertina kann man oft auch so spielen. Durch die Einzeltöne hat man auf der Konzertina aber noch ganz andere "Spielweisen" und Möglichkeiten zu Verfügung, die das Akkordeon so nicht hat. Der Preis ist ein etwas höherer Aufwand beim Lernen und der Mangel an Literatur/Kursen/Lehrern.

Gruß, Klaus
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#6
(02.01.2016, 01:01)kawewue schrieb: … links Baß/Nachschlag …

Auf dem Akkordeon kann man nur diese quasi eingebaute Spielweise spielen.
Es stimmt zwar, dass man auf dem diatonischen Akkordeon meist Bass-Akkord, hum-ta-ta, spielt. Aber man kann auch anders spielen. Schon beim zweireihigen Akkordeon (also mit 8 Knöpfen auf der Bassseite) habe ich fast die gesamte Tonleiter als Basstöne. (Es fehlt nur die Septime.) Einige Akkorde gibt es in beide Richtungen, die können dann bordunartig gehalten werden bei freiem Melodiespiel darüber. Es gibt also schon Möglichkeiten anders zu spielen. Einige Spieler nutzen das mitunter (auch wenn ich zugeben muss, im Augenblick kein schlagendes Beispiel vor Augen zu haben).

Schön, dass das Forum wieder da ist. Rolleyes Bis Freitag! Smile
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